Kompetenznetz Prostata

Medizin auf höchstem Niveau

Im Kompetenznetz Prostata haben sich zahlreiche Ärzte verschiedener Fachrichtungen zusammengeschlossen und bilden ein attraktives Leistungszentrum für Patienten mit allen Arten von Prostataerkrankungen. Besonders häufig behandeln die Mediziner Prostatakrebs. Das Zentrum erstreckt sich über Südwestfalen, Mittelhessen, Oberbergischen Kreis und Westerwald.

Prostata – das Männnerorgan im Fokus

Eigentlich ist die Prostata etwa kastaniengroß, liegt unterhalb der Harnblase, umschließt die Harnröhre und ist an der Produktion von Samenflüssigkeit beteiligt. Vor allem bei älteren Männern verändert sich das Organ jedoch und erschwert beispielsweise das Wasserlassen weil es die Harnröhre einengt. Oft besteht dennoch kein Grund zur Sorge, denn ursächlich für die Beschwerden können eine gutartige Vergrößerung der Prostata oder eine Entzündung sein. Beides lässt sich mit modernen Verfahren gut behandeln. Allerdings zählen bösartige Veränderungen der Prostata zu den häufigsten Krebserkrankungen des Mannes – in Deutschland gibt es jährlich 65 000 neue Fälle.

Um bei allen Erkrankungen der Prostata die optimale Therapie zu bieten, hat sich die Urologie am Diakonie Klinikum Jung-Stilling dem Kompetenznetz Prostata angeschlossen. Unter der Zentrumsleitung von Chefarzt Dr. Peter Weib arbeiten hierin 25 Fachärzte aus Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen zusammen – darunter Urologen, Strahlentherapeuten und Pathologen. Das Kompetenznetz ist vom Dachverband der Prostatazentren Deutschlands zertifiziert. Das bedeutet: Die Behandlungsqualität aller Prostataerkrankungen ist im Zentrum herausragend. Darüber hinaus gibt es eine enge Zusammenarbeit mit der Prostatakrebs Selbsthilfegruppe Siegen, deren Schirmherr Dr. Weib ist. 

Häufige Krankheitsbilder

Prostataentzündung (Prostatitis)

Prostataentzündung (Prostatitis)

Bakterien können eine Entzündung von Prostata, Samenblasen und Harnröhre verursachen. Nicht zu unterdrückender Harndrang, ein abgeschwächter Harnstrahl und Schmerzen beim Wasserlassen können Anzeichen dafür sein. Ebenso sind ein Druckgefühl in Dammregion und After, Schmerzen in der Leiste, Fieber und Schüttelfrost typisch. Mediziner unterscheiden dabei zwischen akuter, chronischer und asymptomatisch entzündlicher Prostatitis. Die chronische Form wird zusätzlich in die bakterielle und abakterielle Prostatitis unterteilt.

Die Diagnostik erfolgt durch klinische Untersuchung, Laborwerte, Ultraschall und Untersuchungen von Urin und Prostatasekret. Je nach Form der Entzündung empfiehlt der Arzt Antibiotika, möglicherweise sogar intravenös während eines stationären Aufenthalts. Die chronisch abakterielle  Form wird auch als chronisches Schmerzsyndrom des Beckens bezeichnet. Es lassen sich hier keine Erreger nachweisen und die Therapie richtet sich nach den Symptomen.

Gutartige Prostatavergrößerung

Mediziner bezeichnen die gutartige Prostatavergrößerung als Benignes Prostata-Syndrom. Etwa zwanzig Prozent der Männer über 50 leiden unter einer behandlungsbedürftigen Form und haben Probleme, ihre Blase beim Wasserlassen vollständig zu leeren. Denn die Prostata umschließt die Harnröhre und kann diese verengen. Deshalb entsteht häufig eine Blasenwandverdickung, weil der Blasenmuskel mehr Kraft aufwenden muss.  Es kann auch passieren, dass Restharn in der Blase verbleibt oder sich Urin sogar bis zu den Nieren zurückstaut. Die Symptome einer Prostatavergrößerung sind vielfältig. Vor allem häufiges und nächtliches Wasserlassen, verzögerter Harnaustritt, Restharngefühl, mehrfaches Wasserlassen in Folge und ein schwacher Harnstrahl zählen dazu.

Therapien
Je nach Patient und Grad der Prostatavergrößerung planen wir eine effektive und individuelle Therapie. Wir haben beispielsweide jahrelange Erfahrung in der sogenannten transurethalen endoskopischen Resektion (TUR-Prostata). Dies ist eine Standardbehandlung im Bereich des BPS. Bei sehr großen Drüsen kommt eine Ausschälung über einen Bauchschnitt in Frage. Dieser Eingriff ist allerdings selten geworden, weil auch Prostata mit einem Volumen von bis zu 100 Milliliter mit der TUR therapiert werden können.

Greenlight-Laser
Eine besonders schonende Variante ist der XPS 180 Watt Greenlight-Laser. Hiervon profitieren vor allem Patienten mit weiteren chronischen Krankheiten, die ein Absetzen von gerinnungshemmenden Medikamenten verbieten. Denn mit dem Laser erzeugen wir ein Licht mit einer Wellenlänge von 532 Nanometer. Das blutreiche Gewebe absorbiert dieses grüne Licht und verdampft, ohne dass dabei Blut austritt. Innerhalb von 24 Stunden nach dem Eingriff sind die meisten Patienten Beschwerdefrei und haben einen deutlich besseren Harnfluss. Im Diakonie Klinikum Jung-Stilling sprechen die Behandlungsergebnisse und die Zufriedenheit der Patienten mit dieser Therapie für sich, wie eine dreijährige Studie zeigt. 

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Nach der Operation
Nach der Operation müssen unsere Patienten in der Regel nur wenige Tage stationär im Krankenhaus bleiben. In dieser Zeit führen wir regelmäßige Kontrollen durch und entfernen die Katheter. Die Patienten sollten anschließend etwa drei Monate lang auf Saunagänge, Fahrradtouren und heiße Vollbäder verzichten.

Prostatakrebs

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Häufig erkennen Ärzte den Tumor in einer urologischen Vorsorgeuntersuchung durch Tasten oder einen erhöhten PSA-Wert (Prostata spezifisches Antigen) im Blut. Auch ein schneller Anstieg des PSA-Wertes kann auf Prostatakrebs hinweisen, aber ebenso durch Entzündungen, Sport oder Geschlechtsverkehr erhöht sein. Bei begründetem Verdacht entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe. In unserer Klinik gewinnen wir durch 3D-navigierte, ultraschallgesteuerte Verfahren etwa zehn bis zwölf Stanzbiopsien, die von Pathologen ausgewertet werden. Wenn ein Tumor nachgewiesen wird, bedeutet das aber nicht, dass ein operativer Eingriff nötig ist. Der Arzt bespricht mit Ihnen, ob eine Behandlung erforderlich ist oder ob der Tumor zunächst durch regelmäßige Untersuchungen überwacht wird. Die Beratung richten wir an den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Urologie und der Deutschen Gesellschaft für Urologie aus. Eventuell sind weitere diagnostische Maßnahmen wie eine Computertomographie oder eine Knochenszintigraphie nötig, um mögliche Metastasen aufzuspüren oder auszuschließen.

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Diagnostik

MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie

MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie

Ist bei Männern der PSA-Wert (Prostata-spezifisches Antigen) erhöht oder stellt der Urologe bei einer Tastuntersuchung der Prostata etwas Auffälliges fest, kann das auf einen Tumor hinweisen. Um den Befund abzuklären, führt der Arzt dann einen sogenannten transrektalen Ultraschall durch und kombiniert diesen mit einer systematischen Biopsie. Hierbei werden zwölf Gewebeproben aus der Prostata entnommen und anschließend auf krankhaftes Gewebe untersucht. Nachteil dieses Verfahrens: Bis zu 50 Prozent der Tumoren werden übersehen oder können nicht nachgewiesen werden, so dass die Prozedur wiederholt werden muss. Außerdem wird bei dieser Untersuchung oft die Aggressivität der Tumoren im Vergleich zum endgültigen OP-Präparat unterschätzt, was sich nachteilig auf experimentelle Verfahren wie die Fokaltherapie oder die aktive Überwachung auswirkt. Die Folge sind Überdiagnosen bei wenig aggressiven oder nicht behandlungsbedürftigen Tumoren. Zudem lässt die weltweite Zunahme von Problemkeimen steigende Infektionszahlen durch die Biopsie erwarten.

Seit Dezember 2016 thematisiert die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) in ihrer aktuellen Leitlinie aber Schnittbildgebungen mit Magnetresonanztomographen (MRT).

Wenn bei der Biopsie kein verändertes Gewebe gefunden wird, kann als ergänzende bildgebende Diagnostik eine sogenannte multiparametrische MRT-Untersuchung (mpMRT) durchgeführt werden. Anhand dieser speziellen hochauflösenden Bilder kann der Arzt die Prostata besonders gut beurteilen. Entdeckt er so ein mögliches Prostatakarzinom, folgt eine MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie. Dafür führt ein Radiologe des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) im Untergeschoss des Krankenhauses eine multiparametrische MRT-Untersuchung durch, in der tumorverdächtige Bezirke dargestellt und markiert werden. Die Aufnahmen müssen in einer bestimmten Art und Weise aufgenommen und verarbeitet werden, um im nächsten Schritt MRT- und Ultraschallbilder miteinander zu verbinden. Denn während des folgenden transrektalen Ultraschalls wird das Live-Ultraschallbild von den MRT-Bildern überlagert. Auf diese Weise stehen dem Urologen während der Probenentnahme die MRT- und Ultraschalldaten in anatomischer Übereinstimmung zur Verfügung und er kann gezielt Gewebeproben aus den auffälligen Bereichen entnehmen.

Im Diakonie Klinikum Jung-Stilling wird die Fusionsbiopsie transperinal mit dem BioJet Fusionssystem durchgeführt. Hierfür werden spezielle Schallköpfe benötigt, die über ein Template und ein mechanisches Tracking-System die verdächtigen Areale ansteuern kann (Software-assistierte Fusion). Nach derzeitigem Kenntnisstand werden so die besten Ergebnisse erreicht.

Wenn bei der MRT-Untersuchung keine verdächtigen Stellen zu sehen sind (bei ca. einem Drittel der untersuchten Männer), kann eventuell komplett auf eine Gewebeprobe verzichtet werden.

Bislang ist nicht sicher, ob mit dem alleinigen Einsatz von MRT-gezielten Biopsien genauso viele, mehr oder weniger Prostatatumoren erkannt werden, als mit der klassischen zwölffach-Biopsie. Die aktuelle Fachliteratur unterstützt die Vermutung, dass alleinige gezielte Biopsien genauso viele Tumoren nachweisen, aber bei weniger Männern Gewebeproben entnommen werden müssen. Trotzdem sollte derzeit bei einer Fusionsbiopsie zusätzlich noch eine zwölffach-Biopsie durchgeführt werden.

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