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Periphere Nerven – von Karpaltunnel bis Tumor

Nerven stellen die Verbindung zwischen dem Gehirn, den Organen und Sinnesorganen im Körper dar. Da sie auf ihrem Weg zu diesen Organen durch Muskeln, Sehnen und Knochenlücken laufen, können sie unter bestimmten Voraussetzungen eingeklemmt werden. Dies kann grundsätzlich alle Nerven im Körper betreffen, wobei dies bei bestimmten Nerven häufiger vorkommt als bei anderen. Je nach Ausmaß und Ursache der Beschwerden lässt sich das oft nur durch eine Operation beheben. Viele dieser Eingriffe können ambulant und unter örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Bei einem erfahrenen Operateur sind Komplikationen selten.

Nerven können aber auch durch Unfälle oder bei Operationen geschädigt werden. Sollte sich der Nerv nicht von selbst erholen oder gar durchtrennt sein, muss er rekonstruiert werden. Selten finden sich auch Tumore an peripheren Nerven, insbesondere bei Patienten mit einer Neurofibromatose. Die chirurgische Behandlung von Nervenverletzungen oder -tumoren sollte ausschließlich durch erfahrene Neurochirurgen erfolgen. Eine mikrochirurgische Technik ist hierzu obligat.

Nur einige Kliniken in Deutschland bieten diese Therapien an. Unsere Klinik ist auch hier eine der wenigen deutschen neurochirurgischen Abteilungen, welche von der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) als Zentrum für periphere Nervenoperationen zertifiziert wurde, wodurch die besondere Kompetenz auf diesem Gebiet bestätigt wird.

Häufige Krankheitsbilder

Kompressionssyndrom

Kompressionssyndrom

Karpaltunnelsyndrom CTS
Dies ist das mit Abstand häufigste Nervenkompressionssyndrom, Frauen sind häufiger als Männer davon betroffen. Hierbei wird der Medianusnerv beim Übergang vom Unterarm in die Hand durch eine quer verlaufende Sehnenplatte (das sog. Ligamentum carpi transversum bzw. Retinaculum flexorum) gedrückt. Typischerweise schläft die betroffene Hand meist nachts oder in den frühen Morgenstunden ein. Anfänglich lassen die Beschwerden auf Ausschütteln oder Durchbewegung der Hand wieder nach. Sollten dauerhafte Gefühlsstörungen oder gar Lähmungen auftreten, oder wenn die Nachtruhe durch das häufige Erwachen nachhaltig gestört ist, muss eine Operation in Betracht gezogen werden. Dabei wird in örtlicher Betäubung das drückende Band durchtrennt und dem Nerv wieder der notwendige Platz geschaffen. Bei Erwachsenen ist dies problemlos möglich. Der Eingriff dauert ca. 15 Minuten, vielfach sind sofort danach die Beschwerden verschwunden. Nach Abschluss der Wundheilung etwa zwei Wochen später ist eine uneingeschränkte Belastung der Hand wieder möglich. Häufig treten derartige Beschwerden auch während der Schwangerschaft auf, in diesen Fällen muss selten operiert werden, weil nach der Entbindung auch meist die Symptome wieder verschwunden sind.

Sulcus ulnaris Syndrom SUS
Dies ist das zweithäufigste Nervenkompressionssyndrom, es betrifft den Ulnarisnerven am Ellenbogen im Bereich des sogenannten „Musikantenknochens“ oder „Mäuschens“. Ursache kann ein verdicktes Band, eine abgeflachte Knochenrinne, oder auch ein Lagerungsschaden nach einer OP sein. Das Einschlafgefühl betrifft hier den Ringfinger und den kleinen Finger, sowie die Handkante. Vielfach merken die Patienten die Schädigung des Nerven erst, wenn schon Lähmungserscheinungen oder ein Muskelschwund aufgetreten sind.

Interosseus anterior Syndrom/Supinatorlogensyndrom
Hier ist der Bewegungsanteil des Radialisnerven am Unterarm im Bereich des Durchtritts durch die Supinatorloge (Arkade von Frohse) gedrückt. Auch hier bestehen anfänglich Schmerzen (Mittelfingertest: Druck auf ausgestreckten Mittelfinger verursacht Schmerz im Radialisverlauf), manchmal kommt es auch schmerzlos zu einer Lähmung der Fingerstreckmuskeln, jedoch keine Gefühlsstörungen. Sowohl beim Interosseus anterior, wie posterior Syndrom ist die Ursache eine angeborene Enstelle an den Nervendurchtrittspunkten in Kombination mit einem Bagatelltrauma (schweres Heben, monotone Arbeit).

Peroneuskompressionssyndrom
Der N. peroneus verläuft außen am Knie um das  Fibulaköpfchen herum und kann an dieser Stelle eingeengt werden. Gelegentlich ist ein Überbein (Ganglion) an dieser Stelle für den Druck auf den Nerven verantwortlich, daher sollte vor einer Operation immer auch ein Kernspintomogramm durchgeführt werden. Der Peroneusnerv versorgt einen Großteil der Muskeln, die für die Fußhebung verantwortlich sind. Bei Funktionsstörungen dieses Nerven kommt es daher zu einer Fußheberlähmung, im schlimmsten Fall zu einem Schlappfuß.

Suprascapularissyndrom
Diese seltene Erkrankung betrifft in der Regel Spitzensportler der Bereiche Volleyball, Tennis und Handball. Es kommt zu einem belastungsabhängigen tiefen, dumpfen Schmerz der hinteren, seitlichen Schulterregion und dann zu einem Muskelschwund. Eine Testblockade der Incisura scapulae mit Lokalanästhetikum lindert den Schmerz. Ganz selten sind sensible Störungen im Schmerzareal möglich. Diagnostik: der Muskelschwund (Atrophie) ist typisch verteilt, zusammen mit dem EMG (Messung der elektrischen Ströme im Muskel) nahezu beweisend.

Thoracic outlet Syndrom TOS
Es gibt ein TOS, welches die Nerven betrifft, dies ist extrem selten. Häufiger ist das vaskuläre TOS, welches die Blutgefäße drückt. Beim nervalen TOS kommt es zu belastungsabhängigen, aber nicht nächtlich betonten (vrgl. Karpaltunnelsyndrom) Schmerzen und Missempfindungen an der Kleinfingerseite des Unterarms, später auch der Hand. Gefühlsstörungen im Schmerzareal sind möglich, Lähmungen aber selten. Es gibt keine einzige Untersuchungsmethode, welche ein nervales TOS beweist. Am sichersten ist die klinische Untersuchung mit Ausschluss anderer differentialdiagnostischer Ursachen (CTS, Ulnariskompressionssyndrome, Bandscheibenvorfall der unteren HWS).

Verletzungen

Verletzungen

Nerven werden meist durch Unfälle, manchmal jedoch auch durch vorausgegangene Operationen geschädigt. Sollte sich der Nerv nicht von selbst erholen oder durch das Trauma durchtrennt sein, muss er rekonstruiert werden. Die chirurgische Behandlung von traumatischen Läsionen des Plexus brachialis (Geflecht aus den Ästen der Rückenmarksnerven) stellt eine Herausforderung in der peripheren Nervenchirurgie dar. Eine Läsion kann entweder den gesamten Plexus, oder isoliert seine oberen, mittleren und unteren Anteile betreffen. Zur genauen Eingrenzung der Läsionsstelle sind detaillierte neurologische und elektrophysiologische Untersuchungen notwendig. Zum Ausschluss eines Wurzelausrisses sollte eine Myelo-Computertomographie so früh wie möglich durchgeführt werden.

Nervenverletzungen können von erfahrenen Neurochirurgen operiert werden.

Neurofibromatose

Neurofibromatose

Die Neurofibromatose 1 wird auch Morbus Recklinghausen genannt. Sie wird als Gendefekt auf dem Chromosom 17 vererbt. Typischerweise finden sich Hautveränderungen mit. Café-au-lait Flecken und axillärem Freckling. Weiterhin bilden sich Tumore im peripheren Nervensystem (sog. Neurofibrome) aus, welche oft auch entlang der Wirbelsäule zu finden sind. Nicht jeder dieser Nervengeschwülste muss operiert werden, entscheidend sind Beschwerden oder ob zu erwarten ist, dass durch den Tumor neurologische Ausfälle entstehen können. Die sehr viel seltenere Neurofibromatose 2 wird ebenfalls vererbt, der Gendefekt findet sich auf dem Chromosom 22. Typischerweise finden sich Tumore im Gehirn, fast immer bilaterale Akustikusneurinome. Eine Operation ist hier insofern problematisch, als dass die Gehörerhaltung seltener als bei normalen Akustikusneurinomen gelingt und eine beidseitig Ertaubung eine sehr große Behinderung im Alltag darstellt. Hier muss individuell sehr genau das Vorgehen besprochen werden.

Nerventumoren

Nerventumoren

Die chirurgische Behandlung von Nerventumoren sollte ausschließlich durch damit erfahrene Neurochirurgen erfolgen. Fast immer lassen sich diese gutartigen Tumore entfernen, ohne dass eine Nervenfunktionsstörung auftritt. Eine mikrochirurgische Technik ist hierzu aber obligat. 

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